schottisches Einkaufen und deutsche Fahnen

| Alex | 6/24/2006 - 1:23 pm |

Jaja, und wieder ging gut ein Monat seit dem letzten Post ins Land. Aber die Arbeitssituation hat sich ja nicht gerade verbessert. Zwar hatten wir gerade eine Woche Urlaub, aber die wurde internetfrei in Deutschland verbracht. Das Ziel war klar: Innerhalb einer Woche eine Wohnung für unseren nächsten Karriereschritt finden. Mehr darüber kann ja Anna erzählen, wenn sie mal wieder hier reinschaut (aua, ein Seitenhieb mit dem Zaunpfahl ;)).

Allerdings wurden wir während unseres Heimataufenthalts natürlich mit dem Fußballfieber angesteckt. Aber was ist das auch für eine Stimmung in Deutschland. Flaggen überall, an jedem Fenster und jedem Auto - und naja, was soll ich sagen, seit letzter Woche fährt auch in Schottland ein Auto mit Deutschlandfahne rum ;). Anfangs hatte ich zwar ein wenig Angst um das Auto und die Fahne ist auch nicht rund um die Uhr befestigt, aber die Schotten sind den Deutschen garantiert freundlicher eingestellt, als den Engländern. Und natürlich hoffe ich auf den sportlichen Geist, der uns im Fußball vereint.
O Gott, diese Worte aus meinem Mund? Dem Fußball-Apathen schlechthin? Hey, es ist Fußball-WM im eigenen Land. Und was gibt es schöneres als mit einer Masse Gleichgesinnten und einem Bier in einer netten Außengastronomie dem neu entdeckten Nationalstolz zu frönen?

Apropos Bier. Seit wir das Auto haben, können wir jetzt auch zu Großeinkäufen in die nächstgrößere Stadt fahren. Soweit sogut, aber noch lange nicht gut genug. Denn der erwählte Supermarkt ist rund um die Uhr geöffnet! 24/7 sozusagen. Und ich kann Euch sagen, es gibt nichts Entspannenderes, als nach der Arbeit einzukaufen (Sonntag nacht um 1). Glaubt Ihr nicht? Kann ich nachvollziehen, aber laßt Euch folgende Details nahebringen: Parkplatz direkt vor der Tür. Menschenleere Regalreihen (wenn man von den regalauffüllenden Mitarbeitern absieht). Keine Schlange an der Kasse. Na? Wie klingt das?
Und so war es letzten Samstag, als wir anläßlich des Abschieds von Annas Kollegin und Freundin schön Essen waren und die Mädels Lust auf Tanzen bekamen. O.k., also fuhr ich die Mädels (und die restlichen Jungs) nach dem Essen in die Disko und - da die rhythmischen Körperbewegungen in meinem Alter ungesund erscheinen - ging selbst einkaufen. Samstag Nacht um 2. Mit den oben beschriebenen Vorteilen.
Doch halt, einen Nachteil gibt es natürlich. Man kann keinen Alkohol nach 21.45 Uhr kaufen. Daruf wurden wir freundlich von der Mitarbeiterin im Supermarkt hingewiesen, als sie eine Kiste Becks im Gitterwagen entdeckte.
O.k., es hat also doch alles Gute irgendwo einen Haken …

Aber sei’s drum: Heute spielt Deutschland im Achtelfinale. Also werd’ ich jetzt mein Auto waschen, die schwarz-rot-goldene Fahne anstecken und auf ein Guinness in den Pub gehen. Schande, was bin ich deutsch …

April & Mai

| Alex | 5/17/2006 - 10:17 pm |

Ja, soweit kommt es jetzt schon: Daß man zwei Monate in einem Post zusammenfasst.
Aber in diesen zwei Monaten war es freizeitmäßig nicht so gut gestellt. Die Saison ist nun endgültig da und mit ihr 6-Tage-Wochen und 14-Stunden-Tage. Zudem gab es einiges zu organisieren und so blieb das Blog immer ein wenig auf der Strecke.

Doch fangen wir von vorn an. Im April.
Der April war ein toller Monat. Nachdem ich doch noch eine Unterkunft für meine Familie gefunden habe, konnten sie sich ein paar Tage im Linksfahren üben und Schottland anschauen. Die beiden letzten Tage hatten Anna und ich dann doch noch freibekommen und wir haben ein paar der Freizeitangebote im Resort genutzt. Neben dem obligatorischen Golf waren wir zum Beispiel einen Vormittag Quadbiken. Das war (leider) auch der einzigste Vormittag des Urlaubs mit schlechtem Wetter, aber mal ehrlich: mit Regen und Schlamm macht das Rumkurven noch viel mehr Spaß. Nachmittags schien wieder die Sonne und wir bekamen die Wildvögel des Outdoor Activity Center eingehend erklärt, gezeigt und haben auch ein paar fliegen und landen lassen. Tolle Sache!
Und auch beruflich gesehen wartete der April mit positiven Neuigkeiten auf. Erstens wurde ich befördert und zweitens werden wir uns wohl Ende diesen Sommers als Studenten ohne Einkommen wieder zurück nach Deutschland begeben. Eine ganz neue Lebensphase, die aber sicher spannend wird.
Ebenfalls spannend und neu ist mein neues Spielzeug. Auch wenn unsere Zeit hier so langsam abläuft war ich ja (fasziniert von den Gebrauchtwagenpreisen) nicht davon abzubringen, ein Auto zu kaufen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und die Gelegenheit bot sich, denn ich besitze nun mein erstes eigenes Auto!
Zugegeben, es war ein Lustkauf, denn zu all den Begleitumständen, die einen normalerweise vom Kaufen abgeschreckt hätten, kam leider die Tatsache, daß es sich bei diesem Auto um eines handelt, was insgeheim schon immer mein erstes Auto sein sollte.
Und natürlich verrate ich aufgrund der zu erwartenden wissend aufstöhnenden Kommentare jetzt nicht, um welche Marke es sich handelt, aber wer mich kennt, und den letzten Satz entsprechend interpretiert, kann sich denken, mit welchem Automobil Anna sich seit neuestem durch die Lowlands chauffieren lässt.

Aber so schön und mit Neuem erfüllt der April auch war, so versucht der Mai sein Bestes, auch die Schattenseiten des Lebens bewusst zu machen.
Allem voran natürlich die Arbeit. Wie oben schon erwähnt, ständig und immer. Aber das sind wir ja gewohnt. Leider habe ich durch meine Beförderung jetzt auch wieder mehr Verantwortung und Stress (und dabei waren die letzten 10 Monate so schön) und komme viel seltener, um nicht zu sagen gar nicht mehr, in meine Lieblingsbereiche Bar, Halfwayhouse und Juice Buggy.
Naja, das Leben ist kein Ponyhof und so sammelt sich Überstunde um Überstunde hoffentlich zu einer erneuten Auszahlung diesen Monat. Das Geld kann ich brauchen, denn erstens verdiene ich ja bald nichts mehr und zweitens bin ich jetzt Autobesitzer. Auch mein Trinkgeld habe ich inzwischen in Spritgeld umbenannt. “Oh, vielen Dank (- wieder 3km fahren können).”
Soviel Arbeit bleibt natürlich nicht ohne Folgen und die zeigten sich bei mir in einer mittelschweren Erkältung in den letzten Tagen. Es kann natürlich auch sein, daß ich etwas zu freizügig mit dem Juice-Buggy an der Küste rumgefahren bin, aber lassen wir das.
Jedenfalls hat es jetzt auch Anna erwischt und wir husten und schnauben um die Wette.
Und als wär das noch nicht genug, meint mein Laptop zur Zeit, er müsste mir auch noch Probleme machen und verabschiedet sich mit schönster Regelmäßigkeit und knallbunten Streifen auf dem Bildschirm in den Feierabend.
Im Moment läuft er zwar wieder einigermaßen, aber ich möchte nichts beschwören *dreimalaufHolzklopf*.

O.k., das war erstmal wieder das Neueste der vergangenen zwei Monate. Ich hoffe, Ihr schaut mal wieder rein, denn regelmäßigere Fortsetzungen sind auf jeden Fall geplant.

Houston, wir haben ein Problem

| Alex | 4/10/2006 - 3:15 pm |

Nächsten Sonntag kommt mich meine Mutter besuchen. Schön und gut, aber das menschliche Wesen (so also auch meine Mutter) braucht ja nächtens einen Platz um das müde, jetlag-geplagte Haupt niederzulegen.
Alles kein Problem, dachte ich, denn schließlich gibt es sogar “hier” ein paar B&Bs im Ort.
Als ich mich dann heute aufmachte, um das schönste davon rauszusuchen, erfuhr ich zu meinem Leidwesen, das nächsten Sonntag ein Radrennen(!!) stattfindet und restlos alle Zimmer im Ort an Fahrer, Organisatoren und Fans vergeben sein dürften.
Geht’s noch? Ein Radrennen? Hier? Gerade an dem Tag?

O.k., dann halt Plan B - die örtlichen Hotels.
An einem davon werde ich jeden Tag vorbeigefahren und seit Wochen offeriert die Kreidetafel neben der Tür 3-Bett-Zimmer zu einem moderaten Preis. Schließlich muß mein Brüderchen auch irgendwo schlafen.
Das war mein Notfall-Hotel, da es direkt an einer Hauptverkehrsstraße liegt, sozusagen die letzte Rettung. Aber Ihr werdet nicht glauben, was heute mit meiner letzten Rettung passierte? Da war doch wirklich ein Mann dabei, die Fenster und Türen zuzumauern!
Jetzt weiß ich auch wieder, daß es genau dieses Haus war, dessen Eingeweide ich von hinten sehen konnte, als ich bei der naheliegenden Werkstatt zu tun hatte und das angrenzende Haus abgerissen wurde.

Najaa, es wird zwar langsam ernst, aber es gibt ja noch Plan C.
Gleich ein paar Häuser weiter gibt es noch ein Hotel, das Anna als “Schwiegermutter"-Bleibe präferierte, weil es anscheinend Seeblick bietet. Es wäre ja alles schön und gut, wenn es überhaupt Zimmer offerieren würde, denn der schön gelegene Gebäudekomplex, den wir seit 10 Monaten für ein schnuckeliges Hotel halten, ist eine kleine, aber feine Wohn- und Büroanlage.

Plan C ist somit auch gescheitert und es greift Plan D: Alles wird gut, aber heute nicht mehr. Mittwoch habe ich auch noch frei …

Aber davon abgesehen, freue ich mich wirklich, daß meine Familie kommt … :)

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